2012,  Atlantik,  Segeln

2012 Teneriffa-Madeira oder die Überstellung der Nautica


Durch Zufall kam ich zu der Möglichkeit bei der Überstellung der Nautica von Teneriffa nach Spanien dabei zu sein. Von Beginn an war ich mir nicht sicher, ob ich mitmachen soll, doch die Verlockung erstmals auf dem Antlantik zu segeln, war zu groß, sodass ich meine Bedenken in den Wind geschossen habe und an einem Montag im Februar in Teneriffa gelandet bin.

Der Weg vom Flughafen zur Marina war eigentlich bis zum Busbahnhof in Santa Cruz sehr einfach, doch dann war mir der Weg zur Marina duch eine Baustelle verwehrt, die ich großräumig umgehen musste. Als ich endlich angekommen bin, war mal chillen angesagt, da ich um 14 Uhr der erste Mitsegler war und mir der Skipper erklärt hat, dass wir heute sowieso nicht mehr auslaufen.

Das war für mich irgendwie ganz anders als bei meinen bisherigen Überstellern, denn da hatten wir immer schon abgelegt, da war ich noch nicht mal richtig am Boot angekommen (im Nachhinein muss ich sagen, dass ein paar Stunden zur Eingewöhnung oder ein ganzer Tag bei einer längeren Route sicher nicht schlecht sind).

Über den Nachmittag verteilt sind die beiden weiteren Mitsegler eingetroffen und der Skipper hat die Einweisung gleich mal auf Dienstag verschoben, da wir sowieso nicht gleich in der Früh auslaufen werden, also können wir ruhig erst am Dienstag einkaufen und anschließend kann er die Einweisung machen. So nebenbei habe ich festgestellt, dass diese Yacht nicht über die gewohnte Ausstattung verfügt, die ich gewohnt war. Es fehlte zB ein GPS Plotter, Dusche, generell warmes Wasser (mit kaltem Wasser abwaschen) und von vielen weiteren Dingen vermisste ich am allermeisten den Kühlschrank. Danach wurde mir noch erklärt, dass es bei den deutschen Nachbarn verpönt ist bei einem Übersteller Alkohol zu trinken und ich mich schmerzlich von meinem guten-Abend-Bier verabschieden musste.

Slideshow:
Fullscreen:

 

Soweit so gut – Dienstag morgen organisierte ich gleich mal mit den beiden Mitsegelern das einkaufen und musste feststellen, dass ich was die Nahrungsmittel betrifft komplett andere Vorstellungen hatte als meine beiden Mitsegler (Ich hasse Gemüseintopf!!!).

Als wir zurück waren stellte der Skipper gleich mal klar, dass wir frühestens am Donnerstag auslaufen werden, da die Welle zu hoch für unser kleines Boot ist und wir so niemals nach Spanien kommen werden. So nebenbei wurde die Einschulung wieder verschoben und ich stellte langsam fest, dass der Skipper und ich auf gut mostviertlerisch „nicht warm wurden“. Deswegen habe ich versucht ihm durch die Blume zu sagen, dass er mich gemeinsam mit dem Günther zur Wache einteilen soll, als gemeinsam mit ihm (leider wurde mir dieser Wunsch später nicht erfüllt).

Somit hatten wir Dienstag Nachmittag frei und ich habe mir mal ein kleines Kaffee gesucht um etwas Abstand zu bekommen und mir das ganze durch den Kopf gehen zu lassen. Danach habe ich mir nochmal gut zugeredet, dass wir morgen etwas Sightseeing machen und Donnerstag werden wir schon lossegeln und wenn wir mal draußen sind, dann wird meine Segellust überwiegen und es wird schon ein einzigartiges Erlebnis werden mit einer so einfachen Yacht über den Antlantik zu segeln. Falls wir keinen Wind haben, haben wir ja 300 Liter Diesel mit, da sollten wir mit dem kleinen Boot ja fast bis nach Spanien motoren können (dachte ich damals noch).

Am Mittwoch habe ich mir dann mit meinen beiden Mitseglern Santa Cruz angesehen (Der Skipper zog es vor die Yacht nicht zu verlassen und war schon zufrieden, dass unsere Boardkasse ihn versorgt solange wir warten.). So nebenbei hat uns der Skipper erklärt, dass der Eigner schon versucht hat, die Yacht selbst zu überstellen, aber gescheitert ist und umdrehen musste. Dann haben wir natürlich zu überlegen begonnen, warum er wohl gescheitert ist.

Nach Rückfrage beim Skipper hat er uns erklärt, dass der Eigner immer etwas Probleme mit der Seekrankheit gehabt hat und er deswegen nicht mehr weitersegeln wollte. Zu diesem Zeitpunkt haben Günther und ich vorgeschlagen, ob es nicht vernünftig wäre, die Zeit zu nutzen und einmal probeweise mit der Yacht hinauszufahren, sodass wir uns einerseits etwas besser vertraut machen können und zum anderen sehen wie schnell sie unter Motor läuft und wie gut sie segelt. Denn unter mittlerweile ist uns das Logbuch des Eigners in die Hände gefallen, wo wir festgestellt haben, dass kaum schneller als 3 Knoten und Motor gefahren wurde und so Passagen wie „Die Segel müssen komplett verschnitten sein!!!“, das Vertrauen in das Schiff nicht gerade steigern. Weiters haben wir herausgelesen, dass auf jeder Seite des Logbuches ein Eintrag zu finden war, dass jemand seekrank war, gesegelt wurde mit dem Boot so gut wie nie (deswegen waren die Segel fast neu), dafür gab es beim Motor immer Probleme mit dem Keilriehmen … aber ich glaube, dass die Nautica auch als einziges Boot weltweit mit einem Ford Escord Motor ausgestattet ist.

Unser Wunsch nach einer Testfahr wurde natürlich kategorisch abgelehnt, denn wir sehen es ja noch früh genug, wenn wir draußen sind und wir können es ja sowieso nicht mehr ändern … aber heimfliegen könnte ich habe ich mir nicht das erste Mal seit meiner Ankunft so im Stillen gedacht.

Natürlich sind wir auch am Donnerstag noch nicht rausgesegelt, den haben wir dann zumindest für einen kleinen Wanderausflug genutzt um danach die nächsten Probleme zu finden. Denn die Nautica ist jetzt jahrelang gar nicht gesegelt worden und wer mal mit einem Auto gefahren ist, das ein paar Jahre lang gestanden ist, der kann nachvollziehen, dass dieser Punkt nach Tagen des Wartens die Gemüter weiter errregte.

So begannn ich ab Donnerstag zu erklären, dass ich bald heimfliegen werde, da mir langsam die Zeit davonläuft und ich nicht länger als insgesamt 2 Wochen von der Arbeit weg kann, bald eine Woche davon im Hafen herumsitze und zu dem Boot samt Skipper soviel Vertrauen habe, wie zu einem Händler am türkischen Bazar.

Danach haben wir uns so geinigt, dass ich bis Madeira mitsegle, und dass wir aufgrund der Wetterlage mal nur ein Wetterfenster bis Madeira nutzen werden. Zu guter letzt wurde festgelegt, dass wir Samsatag Vormittag ablegen werden und am Freitag kam die lang ersehnte Einweisung, wo ich mehrmals eine Abmahnung für übereilige Fragen bekam und ich fix zur Wache mit dem Skipper eingeteilt wurde.

Ich habe mir dann das Logbuch des Eigners noch mal zu Gemüte geführt und konnt mich nicht zurückhalten die letzte Seite in der Galarie zu veröffentlichen, denn ab diesem Zeitpunkt hat ich wirklich Angst, ob wir mit dem Boot statt nach Madeira zu segeln einfach in den Antlantik abgetrieben werden. Ich hatte mittlerweile überhaupt keine Lust mehr mitzusegeln …

Dabei muss ich gleich hinzufügen, dass viele Ängste schlussendlich unbegründet waren, aber mit ein paar Test-Meilen vor dem Hafen und wir wären alle mit mehr Vertrauen gestartet, denn für mich sind die wichtigsten Punkte beim Segeln mein Vetrauen zur Yacht & zur restllichen Crew.

Unterm Strich bin ich dann nicht in der Nacht von Freitag auf Samstag abgehauen(obwohl ich das ernsthaft überlegte), sondern bin mit rausgefahren. Nachdem wir keinen Wind hatten, haben wir mal den Motor gestartet und sind mit den üblichen 2000 Umdrehungen weggefahren. Nur das mit dem Vorwärtskommen war so ein Problem, denn mit 2000 Touren ist unserse stolze Yacht gerade mal 2 Knoten gelaufen und mit etwas Gegenstrom sind wir so gerade mal gemütlich vor dem Hafen gestanden.

Aber nachdem unser Escort Motor ja viel drehfreudiger ist, als ein normaler Schiffsmotor haben wir uns nach einer Stunde dazu durchgerungen mit ca. 4500 Umdrehungen zu fahren um auf eine vernünftige Reisegeschwindigkeit von 5 Knoten zu kommen. Die Folge davon war, dass unser Motor bei der Drehzahl nicht die versprochenen 3 Liter in der Stunde schlucke und auch nicht 4 oder 6 sondern stattliche 10 – 12 Liter und kurz hochgerechnet wir stellten wir fest: so kommen wir nur schwer bis nach Madeira!

Trotz wenig löblicher Berichte im Logbuch haben wir begonnen Segel zu setzen und stellen überraschenderweise fest, dass die Nautica gar kein so schlechtes Segelboot war. Unter Segel machten wir eine gute Höhe sowie eine annehmbare Geschwindigkeit, damit konnten zumindest wir die Einträge im Logbuch zum Thema Segeln nicht bestätigen. Ein anderes Thema bestätigte sich aber sehr wohl und das war das Thema mit der Übelkeit.

2 von 4 Seglern haben gekotzt und ich war auch kurz davor,  sogar nach 3 Tagen auf See war mir auf dem Boot noch immer mulmig. Desweiteren musste ich vorne schlafen, wo man ungefähr so ruhig gelegen ist wie im Tagada, wer das vom Volksfest kennt, dazu gab es drei Tage lange Eintopf oder Gemüsereis. Das ganze konnte ich nicht mal mit dem kleinsten Schlückchen Alkohohl runterspülen – verdammt ich bin Österreicher, Bier & Wein gehört zu unseren Grundnahrungsmitteln 🙂

Die schönste Zeit für mich auf der Nautica war die Nachtwache, wo ich viel alleine draußen an der Pinne (kein Autopilot und die WIndfahnensteuerung war zu ungenau) sitzend die Sterne beobachtet habe und nachgedacht habe.

Mit der ersten Telefonverbindung bei Madeira mit dem Handy, habe ich Monika kontaktiert, die mir sofort einen Flug nach Nürnberg für Dienstag morgen besorgt hat und bevor die anderen am Dienstag richtig wach wahren, bin ich schon zum Flughafen aufgebrochen.

Günther ist ebenfalls abgereist und einige Wochen später bekam ich den Brief von Nadine:

„wir sind letzten Dienstag in Lagos angekommen. Das Loskommen von Madeira war relativ schwierig. Wir sind 1 Mal nach 65 Meilen umgedreht, weil wir gemerkt hatten, dass die Lichtmaschine nicht lädt. Dann kam ein Mechaniker der uns nicht helfen konnte und uns erzählte, dass der Motor in einer sehr schlechten Verfassung ist. Auf jeden Fall haben dann Karl und Steffan (neue Crew) ein bischen rumgebastelt und es funktionierte vorerst wieder.
Beim 2. Versuch waren wir dann schon 1 1/2 Tage unterwegs. Wir mussten noch einmal umdrehen, da Steffan einen Panikanfall bekam und nicht garantieren konnte, dass er nicht über Bord geht. Wir also wieder zurück. Kurz vor der Einfahrt ging der Motor dann auch erstmal nicht an. Hatte zur Folge, dass ein Elektriker sich der Sache annahm.
Ich habe dann gesagt, ich fahre nur weiter, wenn uns jemand mit  Atlantikerfahrung  geschickt wird. Der kam dann auch. Ein 2. Skipper.
Von da an war dann alles recht unspektakulär. Wir hatten eine recht ruhige und entspannte Ueberfahrt. 8 Tage haben wir gebraucht. Wir hatten viel Sonne, haben auch wieder einen Wal in der Ferne gesehen und der Motor hatte auch nicht mehr gemuckt. Hatten am Ende noch 40 l Diesel übrig und der Eigner hat uns zum Fischessen eingeladen.“

Unterm Strich habe ich trotzdem viel gelernt, zum einen, dass die Nautica nach richtiger Wartung wahrscheinlich keine so schlechte Yacht ist wie befürchtet und dass Segeln sehr viel mit Vertrauen zu tun hat und das wichtigste die Menschen sind mit denen man segelt!

 

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2 Kommentare

  • Karl Wieser

    Hallo Andi! Vielen Dank für die tolle Geschichte – Du bringst wieder etwas Sonne und Lachen in den grauen Novemberalltag. Bist etwas verwöhnt von der Boomerang. Anita u. Karl

  • Andreas

    Da gab es wirklich einige Momente, wo ich mir gewünscht habe, dass es nur ein Traum ist und ich gleich auf der Boomerang aufwache. In den nächsten Tagen komtm auch der Artikel, wie wir uns in Griechenland getroffen haben!

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