2004 Übungstörn


Im Mai 2004 war es soweit: nach Monaten der Theorie endlich Meeresluft schnuppern, ran ans Steuer, Segel setzen, durch die Wellen gleiten …

 

 

Unsere Segelyacht: die Foxtrot eine Bavaria 47

Dass es für mich ein wunderschönes Schiff war, brauche ich nicht extra zu erwähnen. Es gab aber einige wichtige Dinge die ich noch nicht wusste, obwohl ich in der Theorie natürlich alles zu wissen glaubte :).  So wurde mir sofort klar, warum Ernst gemeint hat, man nimmt keine Trollies oder Koffer mit auf ein Segelboot, denn man kann sie wirklich nirgends verstauen. Man muss dann über den Trolly in seine Koje springen und wird sich dabei sicher nicht nur einmal den Kopf stoßen. Deswegen habe ich gleich mal alles ausgeräumt und den Trolly im Auto verschwinden lassen. Weiters habe ich festgestellt, dass die Bavaria optimal gebaut war, um sich bei meiner Größe überall den Kopf anzustoßen, aber darauf steht man irgendwann und ich vermisse es mittlerweile auf den neuen geräumigen Yachten. Nach einer kurzen Einschulung am Schiff sind wir in eine etwas abgelegene Pizzaria in VRSAR essen gegangen, wo es die besten gefüllten Kalmare gibt, die ich je gegessen hat. Leider ist die Pizzaria mittlerweile geschlossen. Am Abend gab es noch einen kleinen Umtrunk und ich wurde für das Frühstück am nächsten Tag eingeteilt. Ich habe das nicht so ernst genommen und habe natürlich verschlafen, doch zum Glück haben sich Christian und Willi bereits um das Frühstück gekümmert. Deswegen habe ich heute noch viel Verständnis wenn neue Mitsegler das Miteinander auch in der Küche nicht gleich verstehen, da ich da auch nicht der Größte am ersten Tag war.

Was ich noch erwähnen möchte ist, dass in der Nacht eine andere Leuchte das ganze Licht am Panel abgeschaltet hat und als ich in der Nacht fühlte, dass mir Wasser ins Gesicht tropft und kein Licht mehr funktionierte, dachte ich nur noch „Schön peinlich, wenn wir im Hafen absaufen!“ Ab da wusste ich auch warum jeder eine Taschenlampe mithaben soll, leider war meine in der Toilettasche am Klo.

Slideshow:
Fullscreen:

Nach dem Frühstück ging es gleich los zum ersten Ablegemanöver. Ein Freiwilliger fürs Ruder war gleich gefunden (einer von uns hatte schon etwas mehr Erfahrung) und wir sind aus der Marina hinausgedonnert.

Nein nicht ganz, streng genau genommen sind wir in eine Muringleine hineingedonnert und wären fast mit einem anderen Schiff kollidiert, aber nachdem alle hellwach waren und zusammengeholfen haben, konnten wir schnell freikommen und sind ohne Schäden Richtung Porec aufgebrochen. Das erste Mal am Steuer war schon ein besonderes Gefühl, wobei ich es auch immer spannend finde bei einem haarigen Manöver eine wichtige Leine zu übernehmen.

 

 

In Porec haben wir alle mal rückwärts einparken geübt, ich meine natürlich römisch kath. anlegen, aber wer versteht das schon. Da ist mir eigentlich nicht mehr viel in Erinnerung, außer dass wir es alle relativ gut hinbekommen haben und der Peter ein Naturtalent war. Er ließ sich zwar nie was vom Ernst einreden, legte aber trotzdem meistens ein sehr gutes Manöver hin.

Von dort aus ging es weiter nach Novigrad bis wir gegen Abend in Umag angekommen sind und nach einem kurzen Abendessen wieder den Rückweg angetreten haben.

Das war am Anfang traumhaft, wie langsam die Sonne unterging, doch dann bekamen wir den Wind auf die Nase, dazu noch etwas Regen und eine für meine damalien Begriffe hohe Welle. Aus dem ruhigen zurücksegeln wurde ein zurückstampfen und mit einsetzender Dunkelheit ist aus der wilden Romantik so ein komisches Gefühl im Magen geworden, dass ich mir kurz vor Vrsar dachte, warum mache ich das eigentlich? Ich und segeln, das war ja eine super Idee, die kann nur von mir sein. Aber Segeln ist oft eine Achterbahnfahrt der Gefühle, etwas was ich immer wieder sehr schätze und ich kann euch garantieren, als wir im Hafen waren, war das sofort wieder vergessen.

Was noch eine Erwähnung wert ist, dass derselbe beim an- und ablegen in Vrsar am Ruder gestanden ist und wir haben wieder eine Muring erwischt, aber die Marineros waren sofort mit einem Schlauchboot da und wir konnten wieder einen Schaden verhindern.

In so einem Fall bewundere ich noch immer die Nervenstärke von Ernst, denn er hat uns vom ersten Moment an selbst steuern lassen und hat auch keinem den Kopf abgerissen. Dabei ist er wahrscheinlich nicht der beste Segler den es gibt, aber ein sehr umsichtiger Lehrer, bei dem man immer das Gefühl hat, dass er eine große Freude an der Entwicklung seiner Schüler hat. Vor allem wen er uns ein paar Kniffe gezeigt hat, die wir dann gut umgesetzt haben.

Nachdem wir am ersten Tag erst gegen 24 Uhr eingelaufen sind, durften wir am 2. Tag ausschlafen bis 6 Uhr und dann ging es wieder los mit üben, üben, üben bis wir am Abend in Proec in einem netten Lokal zum Abendessen gelandet sind. Kaum hatten wir aufgegessen und den Tag halbwegs verdaut, hat uns Ernst gefragt, ob wir heute nicht eine richtige Nachtfahrt machen wollen und wir Unwissenden haben natürlich zugestimmt. Ich habe mir dabei gedacht, dass wir ja sowieso nach Vrsar zurücksegeln müssen und wir können schon einen kleinen Umweg machen.

Zurück auf der Yacht hat der Ernst auf der Seekarte losgezirkelt und gemeint wir könnten um 8 Uhr in Susak sein und auf einmal haben wir schon von Wacheinteilung gesprochen und mir wurde schnell klar, dass das jetzt ernst ist. Hannes und ich haben die 2te Wache erwischt und sollten erstmal schlafen gehen.

10 Minuten später sind wir in unserer gut geheizten Koje gelegen (gleich neben dem Schiffsdieselmotor) und haben unsere Situation analysiert. Wir fahren mit einer Yacht mit lauter Anfängern in der Nacht durch die stockdunkle Adria (mondlose Nacht). Deswegen haben wir gleich mal mit unserem Leben abgeschlossen und diskutiert wie wie absaufen werden, ob der Motor zu brennen beginnt oder wir klassisch von einem Fischer über den Haufen gefahren werden, doch irgendwann sind wir doch eingeschlafen.

Einen Moment später hat schon jemand die Tür geöffnet und geflüstert Wachübergabe und 2 Sekunden später haben sie geschrien:

„Wir fahren durch ein Sperrgebiet …. hier ist ein WRACK

… wuahhaa“

Spätestens jetzt war ich hellwach und habe die Chance genutzt mir zum ersten Mal an dem Tag ordentlich den Kopf anzuschlagen, dann bin ich raus und wir haben gleich festgestellt, dass das Wrack zwar da ist, aber wenn wir keine 16 Meter Tiefgang haben, es kaum ein Problem geben wird (eine durchschnittliche Segelyacht hat ca. 2 Meter Tiefgang) und das Sperrgebiet wurde nach dem Krieg bereits wieder freigegeben, also kein Grund zur Sorge.

Danach sind wir raus und die Yacht hat zum ersten Mal uns gehört, denn wir hatten nur zu dritt Wache und der Ernst war auf Standby im Salon, er hat zwar zuvor beteuert, dass er da nie einschlafen kann, aber wir dürften doch sein Vertrauen gewonnen haben.

Doch ich bin mir sicher, dass er bei einer plötzlichen Kurskorrektur oder einem aufstoppen schneller als der Blitz an Deck gewesen wäre, das kann glaube ich jeder Skipper bestätigen.

Bis ca. 3 Uhr hatten wir Wache und dass wir dann natürlich nicht mehr schlafen gegangen sind ist Ehrensache. Wenn man kurz vor Sonnenaufgang einen Manöverschluck nimmt und langsam die Sonne herauskommt, bekommt man den Lohn für sein Mühe und es stellt sich ein ganz eigenes Glücksgefühl ein.

Ich glaube man kann es auf unseren Gesichtern ablesen. Um 8 Uhr sind wir tatsächlich in Susak angekommen, nach einer kalten mondlosen Nacht, in der wir uns über die Fischer ärgerten, die schwarze Fähnchen auf ihre Bojen montieren … Die Insel hat von uns den Spitznamen Sauzeck bekommen, den sie bei uns bis heute nicht mehr losgeworden ist.

Was die Nachtfahrt in der Ausbildung von heutigen Fahrten unterscheidet ist, dass wir komplett ohne Gustav (=Autopilot) gefahren sind und es dadurch etwas anstrengender ist.

Nach dem Anlegen und einer kurzen Klopause legten wir gleich wieder ab, denn wir wollten ja bis zum Abend wieder in Vrsar sein. Der Unterschied war, dass es ab jetzt gemütlicher zuging, denn bisher haben wir immer sehr früh begonnen und die ganze Zeit mit Übungen verbracht. Doch ich muss sagen, dass uns diese intensive Ausbildung sehr gut auf spätere Stresssituationen vorbereitet hat.

Bei der Rückfahrt kam auch der erste Wind auf und wir konnten zum ersten Mal auch „die Wäsch ausafanga“, also Segel setzen, und Gott sei es gedankt den Motor abstellen. Damit geht es eigentlich erst richtig los: wenn man den nervigen Motor abstellen kann und in dieser Ruhe über das Wasser dahingleitet.

Als ich dann meinen ersten Am-Wind-Kurs steuern durfte, das Gefühl kann man nicht beschreiben, das kann man nur erleben.

 

 

Gegen Abend erreichten wir wieder Vrsar:

Die nächsten Tage sind mit Boje über Board Manöver, Halsen und Wenden und Hafenmanövern nur so verflogen, wobei es auch die Regel gab, dass jeder einmal in der Woche kochen durfte und als wir in Pula aus dem Hafen rausdieselten , war der Peter

gerade mit seinen Eiernockerln fertig. Was er aber nicht wusste war, wenn man auf dem Herd versucht auf einmal Eiernockerl für neun Leute zuzubereiten, kann leicht passieren, dass alle verklumpen und man ein einziges Rieseneiernockerl bekommt. Schlussendlich durfte sie Poseidon verspeisen und wir haben dafür einen ordentlichen Wind gekriegt. Ob das als Belohnung von Poseidon gedacht war, bin ich mir aber nicht so sicher.

In dieser Woche habe ich viel gelernt, die Erlebnisse haben uns noch weiter zusammengeschweisst und ich habe mich schon auf die Prüfung im Herbst gefreut. Der Hannes und ich haben dann noch eine Woche mit dem Ernst angehängt um noch etwas Praxis vor der Prüfung zu sammlen.

Crew:

Ernst L. Skipper & Trainer

Hannes D.

Andreas G.

Willy H.

Christian M.

Hans K. (Saunahans)

Peter T.

Fritz P.

Toni M.


7 Gedanken zu “2004 Übungstörn

  1. Pingback: Erstkontakt | Kielwasser.at

  2. Hallo Andreas!
    Ich finde deinen Artikel hervorragend geschrieben. Könntest du diesen auch im
    ÖSYC Logbuch veröffentlichen?
    Grüße Ernst

    • Falls Du Unterstützung brauchst, melde Dich einfach bei mir, vielleicht kann im Artikel auch auf die Homepage verwiesen werden,
      denn ich würd emich freuen, wenn mehr Skipper die Möglichkeit nutzen würden Ihre Erfahrungen auf meiner Homepage zu sammeln.
      Es werden in den nächsten Wochen auch noch einige Artikel folgen.

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